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Saisonauftakt der Hobie 16

Dümmer Dobben - ich wollte doch eigentlich gar nicht raus aufs Wasser

Was für ein verrücktes Wochenende – ganz ehrlich gesagt bin ich mit sehr wenig Motivation am Samstag um 05.45 Uhr aus dem Bett in Hamburg gekrabbelt, um mich um 07 Uhr mit Krischan zu treffen und gemeinsam zum Dümmer Dobben zur Saisoneröffnung zu fahren. Die Wetteraussichten waren gruselig, Samstag und Sonntag zusammen haben kaum eine zweistellige Celciuszahl ergeben und dann noch mäßiger Nordwind und eventuell feuchte Luft, da kann doch nur kalt, kalt, kalt werden. Krischan berichtete dann auch prompt von einer verschneiten Autobahn im Norden von Hamburg und die Temperaturen auf dem Thermometer wollten einfach nicht steigen. Schließlich sehr rechtzeitig angekommen begrüßten uns bibbernde Kollegen und Kolleginnen – frohes Neues noch. Dann gab’s beim Aufbauen auch den ein oder anderen Schneeschauer, durchsetzt von wenigen Sonnenstrahlen, typisch April eben. Langsam begannen die Vorschoter der angereisten Crews langsam laut auszusprechen, dass sie sich das nicht antun wollen und auch einzelne Bremser/-innen zögerten spürbar. Von 20 gemeldeten Booten waren eh nur etwa 13-14 vor Ort und davon wollte kaum die Hälfte wirklich aufs Wasser. Auch ich gehörte zu den Nein-Sagern und wollte mich einfach nicht mit dem Wetter da draußen anfreunden. Keine 100m weg vom Seeufer im Windschatten und mit der langsam aufkommenden Sonne war es schon eher „segelbar“, weil deutlich wärmer. So gab ich dem Wetter nochmal eine Chance und stellte mich ans Wasser, die Sonne hatte ganz schön Kraft und der Wind abgenommen – mmh, was tun?? – 1 Lauf probieren und dann aber gleich zurück, aufwärmen. Warm anziehen konnte ich mich ja, hatte ja viel warmes Zeugs eingepackt, aber Hände und Füße waren trotzdem nur unter 1-2 Neoprenschichten. Ok, also doch umziehen, eine langwierige Angelegenheiten, aber so sollte es hoffentlich gehen. Schließlich wagten sich 9 Crews aufs Wasser bei 1-2 Bft und relativ sonnigem Himmel inzwischen. Nachdem wir zwar trockenen Fußes aufs Boot gekommen war, stellte Knud zu unserem Pech fest, dass wir da noch den Slipwagen unter dem Boot hängen hatten, mmh, das wird nicht schnell sein, also schnell überlegen, Hand oder Fuß ins Wasser,  Hand oder Fuß - Hand oder Fuß – Hand, okay, hilft ja nichts, der Slipwagen muss da raus. Dank der Unterstützung von Knud und meiner rechten Hand, haben wir das Ding da irgendwie raus gefischt und ich hatte wenigstens noch trockene Füße. Unser Ablagemanöver war auch nicht lehrbuchhaft, aber schließlich eilten wir dem Feld hinterher, der Start war sehr bald, eine Testkreuz nicht mehr drin. Noch kurz diskutiert, ob der Riggtrim wohl passt, Mist, die Markierung war nicht mehr da, also blind nach Gefühl, wird schon irgendwie passen. Dann Seite erspähen, links, rechts, irgendwie nicht eindeutig zu erkennen, also erstmal starten und dann schauen. Daniel Wetzel war zu spät zum Start gekommen und somit fuhr er zwar etwas zu spät über die Linie, aber gleich rechts raus, blieb ihm ja auch nichts anderes übrig. Es wurde jedoch schnell klar, das war die bessere Seite, also hinterher. Daniel war aber irgendwie kaum aufzuholen. Ganz langsam arbeiteten wir uns Runde für Runde an ihn ran, aber bei dem wenigen Wind blieb er konstant vorne. Erst auf der letzten Kreuz, als der Wind merklich zunahm und wir ins Doppeltrapez durften und er mit seiner sehr netten, aber unerfahrenen Freundin, nur Einfach-Trapez fuhr, konnten wir in Lee durchbrechen und durch ihn schließlich durch besseren Bootsspeed doch noch überholen. Auch Detlef konnte noch nicht alles aus dem neuen Boot rausholen und wir konnten ihn dank guter Taktik in Schach halten. Nach dem ersten Lauf reinfühlen in Hände und Füße – die waren noch warm, überraschend, aber schön. Also geht der zweite Lauf auch noch. Da zogen allerdings ganz schön dunkle Wolken und etwas Graupel übers Feld, es war also ganz schön garstig und wir noch nicht eingespielt. Ich meinte nur zu Krischan, bloß nicht umfallen, nicht bei den Temperaturen. Also kämpften wir uns tapfer und durchaus auf Sicherheit bedacht, aber irgendwie auch ziemlich schnell über den Parcour und durften nochmal als Erste über die Linie. Es lief also irgendwie. 

Zurück an Land traute ich mich kaum zu erzählen, dass ich doch nicht gefroren habe, und dass es eigentlich gut ging und das wir sehr froh über unsere gute Leistung waren. Aber falls morgen das Wetter noch schlechter sein würde, dann würde ich aber an Land bleiben, ich müsse keinem etwas beweisen. Aber es kam anders, die Sonne strahlte, es ging auch erst um 11 Uhr aufs Wasser und der Wind war leicht. Also hatte ich wieder keine Ausrede, wir mussten wohl unsere Führung verteidigen. Herzlichen Dank an Jens, der am Sonntag auch aufs Wasser ging und somit die 10 Boote vollmachte, wir konnten also Punkte für die Rangliste sammeln. Der Wind nahm stetig zu, so dass wir im dritten !! Lauf des Tages im Doppeltrapez übers Wasser glühten und uns weiter warm arbeiteten. Irgendwie war es unser Wochenende, wir segelten weiterhin stark und konnten die Konkurrenz in Schach halten. So konnte sich Knud zurecht bei der Siegerehrung nicht verkneifen, die versammelte Mannschaft darauf aufmerksam zu machen, dass ich doch eigentlich gar nicht aufs Wasser wollte. So kann es also gehen, manchmal muss man sich selbst zum Glück zwingen. Die Doppeltrapez-Rauschefahrt hat für vieles entschädigt. Und die großartige Gastfreundschaft und leckere Verpflegung der Dümmer Regattamannschaft darf auch keineswegs unerwähnt bleiben.   

Eure Christina